
Im ersten Teil dieser Serie habe ich einen Rückblick auf die frühen Entscheidungen geworfen, die Swissbit geprägt haben: die Abkehr von volumenorientierten Märkten, die Fokussierung auf industrielle Speichersysteme und die Entscheidung, die Kompetenzen in den Bereichen Entwicklung, Integration und Fertigung eng in Europa zusammenzuhalten. In diesem zweiten Teil möchte ich untersuchen, warum diese Entscheidungen heute von Bedeutung sind – in einem Markt, der durch NAND-Übergänge, KI und Cybersicherheit neu gestaltet wird.
Im Jahr 2026 durchläuft der NAND-Flash-Markt einen der tiefgreifendsten Wandel, den ich in meiner beruflichen Laufbahn erlebt habe. Der Speichermarkt war schon immer zyklisch, doch die aktuelle Situation ist anders. KI verändert die Investitionen in Halbleiter und die Kapazitätszuweisung grundlegend und macht Speicher gleichzeitig zu einer noch wichtigeren Systemkomponente in Rechenzentren, der industriellen Infrastruktur und Edge-KI-Geräten. Gleichzeitig steigen die Preise in mehreren Bereichen stark an, und einige ältere NAND-Technologien lassen sich wirtschaftlich kaum noch aufrechterhalten.
Für Industriekunden bedeutet dies eine erhebliche Veränderung. Technologien wie SLC und MLC, die lange Zeit als sichere Wahl galten, geraten unter Druck. Große Halbleiterhersteller ziehen sich aus bestimmten Segmenten zurück. Dies ist nicht nur eine Herausforderung bei der Beschaffung. Es wirkt sich auch auf Produktlebenszyklen, Zertifizierungen, Neuentwicklungsmaßnahmen und langfristige Serviceverpflichtungen aus.
In diesem Umfeld verlagert sich der Wert vom NAND selbst auf die ihn umgebende Technologie. Controller-Design, Firmware, Qualifizierung und Fertigungskompetenz werden zu entscheidenden Unterscheidungsmerkmalen. e.MMC ist ein gutes Beispiel: Während sich die zugrunde liegende NAND-Landschaft rasant verändert, hängt der langfristige Erfolg zunehmend von der Fähigkeit ab, moderne Flash-Technologien mit robusten Controllern, Firmware und Lebenszyklusmanagement zu kombinieren. Swissbit hat seit vielen Jahren in diese Kompetenzen investiert und bündelt sie in Europa.

Je vernetzter und softwaregesteuerter Systeme werden, desto enger sind Speicher und Sicherheit miteinander verknüpft. Für Swissbit ist dies kein neues Phänomen. Unsere Produkte wurden schon früh als vertrauenswürdige Datenträger für das Lizenzmanagement, den Systemschutz und kryptografische Anwendungen eingesetzt. Seit 2013 haben wir daraus ein eigenständiges Sicherheitsgeschäft aufgebaut.
Auch die Technologie selbst verändert sich. Modernes TLC-NAND findet zunehmend Eingang in industrielle Anwendungen. Dank pSLC-Modi, leistungsfähiger Controller-Architekturen, intelligenter Firmware sowie Prüf- und Qualifizierungsverfahren kann es Anforderungen erfüllen, die früher hauptsächlich mit SLC oder MLC in Verbindung gebracht wurden.
Dies verdeutlicht einen wichtigen Punkt: Speicher in Industriequalität wird nicht mehr allein durch den NAND definiert. Er wird durch das gesamte System um ihn herum bestimmt. Controller und Firmware werden oft als das Gehirn eines Speicherprodukts bezeichnet. Sie entscheiden darüber, wie Daten verwaltet, Fehler behandelt, die Lebensdauer optimiert und wie sich das Produkt nach jahrelangem Einsatz verhält. Mit der Übernahme von Hyperstone im Jahr 2021 haben wir diese Kompetenz weiter gestärkt.
Seit generative KI zu einem weltweiten Thema geworden ist, reden alle über GPUs, Speicher mit hoher Bandbreite und Rechenzentren. Das ist verständlich.
Doch KI-Infrastruktur ist mehr als nur Rechenleistung. Sie umfasst Server, Netzwerke, Managementsysteme, Sicherheitsebenen sowie Edge-Geräte in Fabriken, Robotern und Maschinen. Fast alle davon benötigen zuverlässigen Flash-Speicher.
Oft arbeitet dieser Speicher still im Hintergrund. Er speichert Betriebssysteme, Firmware, Modelle, Telemetriedaten, Konfigurationsdaten, Wiederherstellungsimages und Sicherheitsfunktionen. Bei Edge-KI muss er zudem anspruchsvollen Bedingungen standhalten: Temperatur, Latenz, Lebensdauer und Verfügbarkeit.
Ja, KI läuft auf leistungsstarken Prozessoren. Aber sie ist auch auf Speicher angewiesen, der einfach funktioniert.
Das Gleiche gilt für die Sicherheit. Je vernetzter und softwaredefinierter Systeme werden, desto enger sind Speicher und Sicherheit miteinander verbunden. Für Swissbit ist das kein neues Phänomen. Unsere Produkte wurden schon früh als vertrauenswürdige Datenträger für das Lizenzmanagement, den Systemschutz und kryptografische Anwendungen eingesetzt. Seit 2013 haben wir daraus ein eigenständiges Sicherheitsgeschäft aufgebaut.
Ein wichtiger Schritt war die Fiskalisierung in Deutschland. Ab 2020 benötigten Kassensysteme ein zertifiziertes technisches Sicherheitselement (TSE). Swissbit gehörte zu den ersten Anbietern einer solchen TSE-Lösung und entwickelte sich zu einem der führenden Anbieter in Deutschland.
Andere Produkte, wie der iShield Key für die FIDO-basierte Authentifizierung, sehen vielleicht anders aus als eine Speicherkarte oder eine SSD. Doch die Grundlage ist dieselbe: kontrollierte Hardware, sichere Architektur, vertrauenswürdige Fertigung und langfristige Zuverlässigkeit.
Mit Blick auf die Zukunft wird dies durch regulatorische Vorgaben noch an Bedeutung gewinnen. Signierte Firmware-Updates, Schwachstellenmanagement und SBOMs werden zunehmend zum Standard. Sichere SSDs, vollständige Festplattenverschlüsselung und kryptoagile Ansätze weisen alle in dieselbe Richtung: Für uns verschmelzen Speichertechnik und Cybersicherheit zunehmend zu einer einzigen Disziplin.
Nach 25 Jahren befindet sich Swissbit an einem Punkt, an dem viele früh getroffene Entscheidungen an Bedeutung gewinnen, statt an Bedeutung zu verlieren. Wir haben uns auf industrielle Märkte konzentriert, noch bevor diese allgemein als strategisch wichtig angesehen wurden. Wir haben unser Know-how in den Bereichen Fertigung und Integration in Europa beibehalten. Wir haben in Firmware, Steuerungen, fortschrittliche Verpackungstechnologien und Sicherheit investiert. Und wir sind nah an unseren Kunden geblieben, deren Produkte über viele Jahre hinweg zuverlässig funktionieren müssen.
Keine dieser Entscheidungen wurde getroffen, weil sie gerade im Trend lagen. Aber sie haben uns technologische Tiefe verliehen. Diese Tiefe wird nun zu einem strategischen Vorteil. In einer Welt, die von KI, geopolitischer Unsicherheit, Druck auf die Lieferketten und neuen Vorschriften geprägt ist, brauchen Kunden Partner, die den gesamten Weg vom Silizium bis zum System verstehen.
Speicher sind aus dem Hintergrund getreten. Sie sind zu einem technologischen, wirtschaftlichen und geopolitischen Faktor geworden. Für Swissbit ist das sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance. Wir können nicht jede Wendung des Marktes vorhersagen. Aber wir können weiterhin das tun, was uns von Anfang an getragen hat: Fachwissen aufbauen, kritische Technologien beherrschen, nah an den industriellen Bedürfnissen bleiben und Komplexität in zuverlässige Produkte umsetzen.
Das mag weniger spektakulär klingen als die Schlagzeilen rund um die KI. Doch die Systeme, die die Welt verändern, hängen von vielen Faktoren ab, die funktionieren müssen. Zuverlässige Speicher sind einer davon. Und zunehmend kommt es genauso sehr auf das dahinter stehende Fachwissen an.
Überzeugen Sie sich selbst von unserer Kompetenz
Erhalten Sie die neuesten Nachrichten und Ankündigungen zu Speicher- und Security-Lösungen sowie zu aktuellen Veranstaltungen und neuen Produkten.