
Jubiläen sind ein guter Anlass, zurückzublicken – aber nur, wenn sie auch dazu beitragen, die Gegenwart zu erklären. Swissbit feiert sein 25-jähriges Jubiläum zu einer Zeit, in der Speicher, Sicherheit und Lieferketten durch KI, Regulierung und geopolitische Veränderungen neu definiert werden. In dieser zweiteiligen Serie möchte ich über einige der Entscheidungen nachdenken, die Swissbit von Anfang an geprägt haben – und darüber, warum sie heute wichtiger sind, als wir uns das damals hätten vorstellen können.
Als wir Swissbit im Juli 2001 gründeten, war der Zeitpunkt nicht gerade günstig. Die Dotcom-Blase war geplatzt, die Investitionen gingen zurück, und der Speichermarkt stand unter starkem Preisdruck. Swissbit entstand aus einem Management-Buy-out des Speichermodulgeschäfts von Siemens Schweiz. Zu Beginn drehte sich unsere Welt um die Produkte, die man mit den frühen 2000er Jahren verband: DRAM-Module für PCs, USB-Sticks, Speicherkarten.
Heute klingt das fast schon einfach. Doch damals mussten wir eine grundlegende Frage beantworten: Was für ein Unternehmen wollten wir werden? Wenn ich nach 25 Jahren zurückblicke, würde ich sagen, dass Swissbit weniger von den Märkten geprägt wurde, in die wir eingetreten sind, als vielmehr von den Märkten, die wir bewusst hinter uns gelassen haben.

Wenn ich nach 25 Jahren zurückblicke, würde ich sagen, dass Swissbit weniger von den Märkten geprägt wurde, in die wir eingetreten sind, als vielmehr von den Märkten, die wir bewusst links liegen gelassen haben.
Das DRAM-Geschäft hat uns schnell gelehrt, dass Größe allein noch keine Stabilität schafft. Die Preise fielen, die Überkapazitäten wuchsen und der Wettbewerb verschärfte sich von Jahr zu Jahr. Die Finanzkrise nach 2008 machte die Situation noch deutlicher, insbesondere auf dem europäischen PC-Markt.
Deshalb verlagerten wir unseren Fokus auf den Bereich der industriellen Speichersysteme.
Zunächst schien dies eine Nische zu sein. Es war nicht der lauteste Teil des Marktes. Aber es war ein Bereich, in dem Speicher nicht nur eine austauschbare Komponente war. Die Kunden benötigten langfristige Verfügbarkeit, kontrollierte Produktänderungen, Langlebigkeit, Zuverlässigkeit und vorhersehbare Gesamtbetriebskosten. Sie benötigten Produkte, die Systeme im Einsatz über viele Jahre hinweg unterstützen konnten.
Das passte zu uns. Industrielle Speicher zwangen uns dazu, in Lebenszyklen statt in Quartalen zu denken. Dadurch wurden Firmware, Qualifizierung, Rückverfolgbarkeit und Fertigungsqualität von Anfang an Teil des Produkts. Als wir uns 2017 aus dem DRAM-Geschäft zurückzogen, war dies die logische Konsequenz einer Richtung, die wir bereits eingeschlagen hatten.
Eine weitere frühzeitige Entscheidung war ebenso wichtig: Wir haben das Know-how in den Bereichen Fertigung und Integration in Europa beibehalten.
Bei Industrieprodukten dürfen Entwicklung und Fertigung nicht zu weit voneinander entfernt sein. Architektur, Hardware-Design, Firmware, Halbleiterverpackung, Test und Qualifizierung – all das beeinflusst das Endergebnis.
Im Jahr 2002 errichteten wir durch die Übernahme von Optosys, einem Spezialisten für Chip-on-Board-Technologie, unseren Produktionsstandort in Berlin. Im Laufe der Jahre wurde Berlin zu dem Ort, an dem wir lernten, wie man Speichertechnologie in zuverlässige Industrieprodukte umsetzt.
Ein Beispiel aus dieser frühen Zeit in Berlin ist mir noch heute besonders in Erinnerung geblieben. Um die Jahrtausendwende produzierte der Standort die damals weltweit erste 1-GB-CompactFlash-Karte in Chip-on-Board-Technologie – aufgebaut aus vier Stapeln mit jeweils acht NAND-Chips, insgesamt 32 Chips. Heute würden wir dies als „Advanced Packaging“ und „3D-Integration“ bezeichnen. Damals war es einfach das, was nötig war, um die Flash-Technologie weiter voranzutreiben.
Mit unserem 2019 eröffneten Standort in Berlin-Marzahn hat dieses Know-how eine neue Ebene erreicht. Entwicklung, Wafer-Level-Bearbeitung, fortschrittliche Halbleiterverpackung, Test, Qualifizierung, SMT-Bestückung und Reinraufertigung befinden sich nun unter einem Dach.
Für mich ist dies eine der zentralen Erkenntnisse aus den ersten 25 Jahren von Swissbit: Manche Kompetenzen werden erst dann strategisch wichtig, weil man lange bevor der Markt lautstark danach verlangt, kontinuierlich in sie investiert. Im zweiten Teil dieser Serie werde ich darauf eingehen, warum dies gerade jetzt so wichtig ist – da sich der NAND-Flash-Markt wandelt, KI die Nachfrage neu prägt und Speicher eng mit Sicherheit verknüpft wird.
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